Lluc, Mallorca: Spiritueller Rückzugsort im heiligen Kloster

Warum Lluc? – Der stille Gegenpol zu Party-Mallorca

Lluc ist ein echter spiritueller Rückzugsort auf der Partyinsel Mallorca. Es handelt sich um ein spirituelles Zentrum und einen wichtigen Wallfahrtsort. Unmöglich? Nein, dort herrscht eine Ruhe und Gelassenheit, wie kaum auf einer anderen touristischen Insel. Wenn man von Palma de Mallorca in das Tramuntana Gebirge fährt, kommt eine ganz andere Seite von Mallorca zum Vorschein: Gelassenheit, spanische Authentizität, Kultur und die Rückkehr in ein ureigenes ruhiges Inseltempo.

Wie sind wir auf diesen Hidden Gem Ort gestoßen? Wir wollten eine Auszeit, die Natur und die Berge genießen, Pilgern und Meer miteinander verbinden.

Lluc ist damit eine bewusste Auszeit von der Hektik Mallorcas. Und es steht im merkwürdigen Kontrast zur Partyinsel, zur Schnelllebigkeit, Massenkonsum – zum Ballermann, und Bierkönig. Hier geht es nicht um schneller, höher, weiter – sondern darum, mal kurz nichts optimieren oder tun zu müssen.

Blick auf das Tramuntana Gebirge und Meer

Klingt nach dir? Dann lass dich inspirieren! 🙂

Wo liegt Lluc? – Mallorca, aber anders

Lluc liegt nicht „um die Ecke“, aber noch gut erreichbar nordöstlich von Palma de Mallorca. Entfernung: rund 40 km von Palma de Mallorca. Lluc liegt mitten in der Serra de Tramuntana – das zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde. Bergig, grün und deutlich weiter weg vom Massentourismus, als man auf Mallorca vielleicht erwartet.

Das Spannende: Man ist zwar mitten in den Bergen, aber nie komplett abgeschieden. Das Meer ist nicht weit, Palma ist erreichbar – und trotzdem fühlt sich Lluc an wie eine andere Welt. Eine, in der es okay ist, langsam zu sein.

Ankunft:

Wenn man mit Öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, gelangt man durch eine erste Zugfahrt und eine weitere Busfahrt durch das endlose, kurvige Tramutana Gebirge zu dem Ort Lluc. Die Reise und Anfahrt an sich, führt dich weit weg vom lauten Stadtleben und du erahnst nur ein Leben, das die Menschen dort mitten in dem Gebirge vor Jahrhunderten geführt haben müssen.

Übernachtungsmöglichkeit-Highlight: Das Kloster Santuari de Lluc

Das Highlight des Ortes ist u.a. das Kloster Santuari de Lluc. Eine sehr populäre Destination auf Mallorca.

Das Zimmer war überraschend sauber und ein Zwischending von Hotel und moderner Klosterunterkunft – klein aber gemütlich.

Die Herberge bietet u.a. im Sommer sogar einen Pool.
Man wird dort empfangen, wie in einem Hotel und
doch ist die Atmosphäre eine sehr besondere, da
damals Pilger*innen hier ihren Unterschlupf fanden.

Es lohnt sich allein schon dort zu übernachten, weil man sich Zeit nehmen kann, das ganze Klosterkomplex zu erkunden.

So kannst du dir z.B. die Kirche mit der besonderen schwarzen Madonna anschauen oder den botanischen Garten bewundern.

Schwarze Madonna – Attraktion für Pilger*innen seit Jahrhunderten

Was solltest du dir auf jeden Fall nicht entgehen lassen?
Die Magie der schwarzen Madonna.
Du kannst sie dir frei zugänglich anschauen und
in die mystische Atmosphäre eintauchen.

Schwarze Madonna von Lluc – Geschichte, Bedeutung und Pilgerglaube

Die Schwarze Madonna von Lluc – auf Mallorquinisch Mare de Déu de Lluc – ist eng mit der Entstehung des Klosters und der spirituellen Bedeutung dieses Ortes verbunden. Ihre Geschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, in eine Zeit, in der Mallorca sich nach der Rückeroberung durch König Jaume I. im Jahr 1229 neu formierte.

Fund der Madonna im Gebirgspalt in den 1230er Jahren von dem Hirtenjungen „Lluc“

Der Überlieferung nach wurde die Marienstatue in den 1230er Jahren von einem Hirtenjungen namens Lluc – „Lukas“

gemeinsam mit einem Mönch in den Bergen der Serra de Tramuntana gefunden.

An einem Samstagabend nahm er „über dem zerklüfteten Gelände bestimmter Felsen einen wunderschönen Heiligenschein himmlischer Pracht und einen harmonischen Klang sanfter Musik wahr, der, zusammen mit der Harmonie der Stimmen und dem Glanz der Strahlen, seine Aufmerksamkeit und seine Sinne fesselte.“ (Book of Miracles (1684), S.3)

Die Figur lag verborgen in einer Felsspalt – genau an dem Ort, an dem sich heute das Kloster befindet.

Man brachte die Statue zunächst in die nahegelegene Kirche von Sant Pere d’Escorca, um sie dort sicher aufzubewahren.

Doch am nächsten Tag war sie verschwunden.
Kurz darauf tauchte sie wieder am ursprünglichen Fundort in den Bergen auf.

Dieses Ereignis soll sich mehrfach wiederholt haben. Schließlich kam man zu dem Schluss, dass die Madonna an genau diesem Ort verehrt werden wollte – wie so oft – und beschloss, dort eine Kapelle zu errichten.

Die Madonna, die man heute sieht: Kein Original mehr

Ein wichtiger historischer Fakt:
Die Madonna, die heute im Kloster verehrt wird, ist nicht die ursprünglich gefundene Statue.

Die heutige Schwarze Madonna stammt aus dem Jahr 1520 und wurde dem Kloster von einem mallorquinischen Kaufmann namens Joan Amer gestiftet. Stilistisch wird sie der flämischen Spätgotik zugeordnet.

Das ist jedoch kein Grund für die Pilger*innen, ihre Pilgerung aufzugeben. Der Geist der Madonna bleibt wohl trotz neuer Statue bestehen.

Welche Heilkräfte werden der Schwarzen Madonna zugeschrieben?

Traditionell gilt die Schwarze Madonna von Lluc als Schutzpatronin Mallorcas. Ihr werden vor allem folgende Kräfte zugeschrieben:

  • Schutz auf Reisen und Pilgerwegen
  • Heilung von Krankheiten
  • Hilfe in persönlichen Krisen und Lebensumbrüchen
  • Trost und innere Stabilität

Besonders häufig finden sich Berichte von Menschen, die die Madonna in Zeiten der Orientierungslosigkeit oder bei wichtigen Entscheidungen aufgesucht haben. Weniger spektakulär, dafür umso nachhaltiger geht es vielen um innere Ruhe, Klarheit und das Gefühl, „getragen“ zu sein.

Schwarze Madonnen werden in vielen spirituellen Traditionen auch mit Erdung, Ursprünglichkeit und mütterlicher Kraft in Verbindung gebracht – weniger mit Wundern im klassischen Sinn, sondern mit Schutz und Stabilität.

Was alte Schriften über Lluc und die Schwarze Madonna verraten

Die erste belegbare schriftliche Erwähnung des Ortes selbst (nicht der Madonna-Legende direkt) findet sich in Urkunden aus dem 13. Jahrhundert:

dem Testament des Ritters Valentí de Ses Torres vom 31. Oktober 1268
→ Hier wird die Kapelle „Santa Maria de Lluc“ erwähnt – also das früheste schriftliche Zeugnis des Heiligtums.

Wusstest du schon, welche alten Schriften es dazu gibt?

  • 1268: Eine Urkunde des Ritters Valentí de Ses Torres erwähnt erstmals eine Kapelle an genau dem Ort, an dem später die Statue gefunden wurde.
  • 1420: Ein Inventar belegt, dass die Madonna bereits zu dieser Zeit verehrt wurde.
  • 1684: Im Book of Miracles sammelte R. Busquets frühe Legenden und Berichte über Wunder rund um die Madonna (nur auf Katalanisch überliefert)
  • 1884: In der kirchlichen Anerkennungsakte wird die besondere Bedeutung der Madonna von der Kirche anerkannt.

Mehr zum Buch der Wunder (1684)

Das Titelbild von Book of Miracles (1684) illustriert die Erscheinung der Madonna

Das „Book of Miracles“ wurde 1684 von Rafel Busquets geschrieben – auf Wunsch des Bischofs von Mallorca, Don Bernardo Cotoner. Es ist eine der ältesten bekannten schriftlichen Sammlungen, die die Geschichte und die frühen Pilgerberichte zusammenfasst. Rafel Busquets wollte festhalten, was hier passiert ist: wie die Schwarze Madonna entdeckt wurde, wie die Verehrung begann und warum Lluc so ein besonderer Ort ist. Der Autor wünscht sich inständig die Verbreitung und lobenswerte Verehrung des heiligen Namens der Maria.

„Ich wage es mit meiner schwachen Feder Eure Größe zu beschreiben“

„[…] vielmehr bin ich überzeugt, dass es [das Buch] von großem spirituellem Nutzen sein wird.“

Leider ist das Buch nur auf Katalanisch verfügbar. Die Übersetzungen kommen aus dem Original und sind von mir selbst übersetzt. Das Buch könnt ihr im Original bei Google Docs kostenlos lesen. Auf Seite 36 ist sogar der ehemalige Pilgerweg beschrieben.

Altötting & die schwarze Madonna – Wunderheilung der Neuzeit

Auch heute gibt es an Marien-Wallfahrtsorten immer wieder Berichte von unerklärlichen Heilungen.
Diese Geschichten wirken, als würden die Orte noch immer lebendig atmen.

Ein Beispiel ist Altötting in Deutschland.
Die TZ Bayern beschreibt dort einen Fall, in dem sich jemand nach einem Besuch bei der Schwarzen Madonna plötzlich und medizinisch nicht erklärbar besser fühlte.

Ob man das als Wunder sieht oder als Kraft des Glaubens – es zeigt, dass Maria und die Orte, die mit ihr verbunden sind, bis heute Menschen bewegen.

Und genau das macht Reisen für mich so besonders.
Wenn ein Ort nicht nur besucht, sondern innerlich erlebt wird.
Wenn Geschichten am Rand des Rationalen wieder lebendig werden

Für mich ist genau das der Moment, der Reisen so besonders macht: wenn ein Ort nicht nur besucht, sondern innerlich erlebt wird – und wenn Geschichten am Rand des Rationalen plötzlich wieder lebendig werden.

Pilgerberichte & heutige Erfahrungen

Historische Pilgerberichte finden sich vor allem in kirchlichen Chroniken und Klosteraufzeichnungen, die belegen, dass Lluc seit dem Mittelalter regelmäßig von Menschen aus allen Teilen Mallorcas aufgesucht wurde – oft zu Fuß.

Bis heute berichten Pilgerinnen und Pilger von ähnlichen Erfahrungen;

  • einem starken Gefühl der Ruhe beim Betreten der Kirche
  • dem Bedürfnis, langsamer zu werden
  • dem Wunsch, innezuhalten oder eine Kerze zu entzünden

Viele beschreiben Lluc weniger als Ort spektakulärer Offenbarungen, sondern als Ort der stillen Neuordnung. Genau das macht ihn für moderne Pilger und bewusste Reisende so zugänglich – auch ohne religiöse Bindung.

Camino Santiago – neuer Weg, neue Perspektiven

Neuerdings kann man auch direkt vom Santuario de Lluc aus auf den Camino gehen.
Für viele Pilger ist das eine ganz neue Möglichkeit, den Weg zu starten.
Ein Stück Mallorca wird so zum Anfang einer viel größeren Reise.
Und irgendwie passt das auch zu Lluc: ein Ort, an dem man nicht nur ankommt, sondern auch aufbricht.

Die Route kannst Du dir bei Mallorca Magazin anschauen. Wir können uns also auf neue Herbergen und neue Abenteuer freuen!

We wish everyone on their Journey
Soulful Travels

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