Worüber niemand spricht
Vor Kurzem habe ich mir erlaubt, etwas zu tun, was ich mir sonst nie zugestehe: eigenbestimmt schaffen, einfach aus Freude heraus. Kein Ziel dahinter, kein Ergebnis, das irgendwem etwas beweisen musste. Einfach nur, weil es sich richtig anfühlte. In meinem Fall: Einfach malen, und seinen Gefühlen einen künstlerischen Ausdruck verleihen. Ohne verstehen zu müssen, ohne Rationalität. Einfach sich selbst auszudrücken. Zu heilen.
Das hat mich ins Grübeln gebracht: Wie oft arbeiten wir eigentlich wirklich aus Freude heraus – statt aus Pflichtgefühl, aus Gewohnheit, oder weil wir einfach funktionieren müssen? Wie oft machen wir die Dinge aus Eigenbestimmtheit, aus unserem Inneren heraus?
Eigenbestimmt schaffen: Spaß und Arbeit – geht das überhaupt zusammen?
Wir haben irgendwie gelernt: Spaß bei der Arbeit heißt, man tut eigentlich nichts. Als würden Freude und echte, wertvolle Arbeit sich gegenseitig ausschließen. Spaß + Arbeit = kann nicht sein, so das unausgesprochene Motiv.
Ich halte das für ziemlich unwahrscheinlich. Und ich glaube, viele von uns spüren das insgeheim auch – wir haben es nur verlernt, danach zu handeln. Stattdessen steht bei den meisten von uns Leistungsdruck und das ständige Funktionieren-müssen an der Stelle, an der früher mal einfach Neugier war.
Eigenbestimmt schaffen: Der Weg zum inneren Künstler mit Julia Cameron
Genau darum geht es in einem Buch, das mich seit Jahren begleitet: The Artist’s Way von Julia Cameron. Ihre Grundidee: Als Kinder hatten wir alle einen ganz selbstverständlichen Zugang zu unserer Kreativität. Wir haben gemalt, gebaut, uns Geschichten ausgedacht – einfach weil es Freude machte. Als Erwachsene verlernen die meisten von uns das und stecken stattdessen in einem Alltag fest, in dem für dieses spielerische Ausprobieren kaum noch Platz bleibt.
Ihr Werkzeug dagegen: das sogenannte Artist Date. Eine Art wöchentliches Solo-Date mit dem eigenen inneren Künstler – bewusst reservierte Zeit, ganz allein, für etwas, das die eigene kreative Neugier nährt. Es muss nichts dabei herauskommen. Es geht nicht ums Leisten, sondern ums Nähren von diesem verspielten, kindlichen Teil in uns.
Ihr vielleicht treffendster Satz dazu: Ernsthafte Kunst entsteht aus ernsthaftem Spiel. Genau das ist die Antwort auf die Frage von oben. Spaß und echte, bedeutsame Arbeit widersprechen sich nicht. Im Gegenteil – das eine bringt oft erst das andere hervor.
Was die Forschung dazu sagt
Was sich für mich zunächst wie eine sehr persönliche Erfahrung anfühlte, findet sich auch in der Wissenschaft wieder. Die Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan zeigt seit den 1980er-Jahren: Wir sind dann intrinsisch motiviert und langfristig zufriedener, wenn drei Grundbedürfnisse erfüllt sind – Autonomie, das Gefühl von Kompetenz und Verbundenheit.
Ein spannender Befund der beiden: Äußere Belohnungen wie Geld, Druck oder Bewertung können die Motivation für eine an sich interessante Tätigkeit sogar senken, statt sie zu steigern. Handeln wir dagegen aus echtem inneren Interesse – aus Neugier, aus Freude an der Sache selbst –, hängt das nachweislich mit besserer Stimmung, mehr Kreativität und einem stabileren Selbstwertgefühl zusammen.
Die Wissenschaft bestätigt also ziemlich genau das, was Julia Cameron seit Jahrzehnten predigt, und was sich für mich beim eigenbestimmten Schaffen aus reiner Freude heraus so richtig angefühlt hat. Wir sind am kreativsten, wenn wir eigenbestimmt schaffen können – frei von Druck, Erwartungen oder der Angst, bewertet zu werden. Kreativität braucht Raum, keinen Zwang.
Zurück zur kindlichen Neugier
Wenn wir aus Freude heraus arbeiten, handeln wir aus unserem Innersten – so wie Kinder, wenn sie aus reiner Neugier etwas ausprobieren, bauen oder malen. Nicht aus Druck. Nicht aus extrinsischen Gründen. Nicht um Erwartungen zu erfüllen. Einfach, weil es sich richtig anfühlt.
Genau diesem Teil in uns – dem verspielten, neugierigen, kreativen – räumen die wenigsten von uns als Erwachsene noch genug Platz ein. Dabei brauchen unterschiedliche Denk- und Wahrnehmungsweisen gleichermaßen Raum in unserem Leben: das logische Abwägen genauso wie das freie, assoziative Schaffen.
Oft haben wir stattdessen in unseren Familien und Systemen gelernt, vor allem vernünftig zu handeln. Und irgendwann fühlen wir uns abgeschnitten von unserem eigentlichen Selbst – fremdbestimmt. Als würden wir Entscheidungen aus Angst treffen, statt aus Verbindung mit dem eigenen Herzen, mit dem, was in uns wirklich lebendig ist.
Das erinnert mich stark an das Prinzip des Wu Wei – dem mühelosen Handeln im Einklang mit dem eigenen Wesen, statt gegen sich selbst anzukämpfen. Mehr dazu findest du in meinem Artikel zu Wu Wei. Auch der Jakobsweg hat mir geholfen, mehr im Jetzt anzukommen und inneren Frieden & Glückseligkeit in mir zu finden.
Meine Message an dich
Meine Einladung ist: Eigenbestimmt schaffen- Sei für dich da. Und erschaffe etwas – ganz gleich was – aus reiner Freude heraus.
Nicht aus Zwang. Nicht, um nett zu sein oder es allen recht zu machen. Sondern eigenbestimmt, aus der einzigen Freude, die wirklich zählt: deinem eigenen Willen und deinem eigenen Herzen.
Vielleicht ist das dein eigenes kleines Artist Date diese Woche. Eine Stunde, ganz allein, nur für dich und das, was dein inneres Kind schon immer geliebt hat. Viel Freude damit. Namaste und Namaskaram.

Kreativität bedeutet Lebensfreude.!
Alles Liebe,
Caren & Niniane
ॐ

