Warum wir uns für den Jakobsweg entschieden haben
Wir haben schon viele Reisen in alle Ecken der Welt unternommen, doch keine war so außergewöhnlich wie der Jakobsweg. Dabei sollte man wissen: Den Einen Jakobsweg gibt es gar nicht. Es sind viele verschiedene Wege, die sich wie ein Netz durch ganz Europa ziehen – doch dazu später mehr.
Warum also sind wir ihn gegangen? In einer Zeit, in der es unzählige Reiseziele und Angebote gibt, stellt sich oft weniger die Frage wohin, sondern vielmehr warum wir überhaupt reisen. Was wollen wir eigentlich erleben? Manchmal sind es intuitive Entscheidungen: Jemand erzählt von einem Ziel, und plötzlich spürt man – da möchte ich auch hin. Genau so hat uns der Jakobsweg gefunden.
Der Jakobsweg ist nicht nur eine Wanderung durch beeindruckende Landschaften. Er ist ein Weg zu sich selbst. In unserer digitalen Welt, in der wir leicht den Fokus verlieren, erinnert er uns an das Wesentliche: die Einfachheit des Lebens. Jede:r Pilger:in bringt dabei eine andere Intention mit. Manche wandern aus sportlicher Freude, andere suchen Natur und Ruhe, wieder andere möchten ihren Glauben vertiefen oder eine spirituelle Erfahrung auf dem Jakobsweg machen.
Dieser Blog soll Inspiration geben – doch die eigentliche Erfahrung muss jede:r selbst machen. Sie ist einzigartig und lässt sich nicht vorwegnehmen. Wir selbst sind zum ersten Mal den Camino Francés gegangen – den klassischen Pilgerweg – ganz ohne Erwartungen. Und er hat jede mögliche Erwartung übertroffen.
Viele berichten, dass „seltsame Zufälle“ sie auf den Weg geführt haben, oder dass ihnen der Jakobsweg empfohlen wurde auf mysteriöser Weise. Am Ende aber ist es oft so, als würde der Camino dich rufen. Uns hat er tief berührt: Wir haben nicht nur wunderbare Menschen kennengelernt, sondern auch besondere spirituelle Erfahrungen gemacht. Wenn du also einmal mit dem Gedanken spielst, loszugehen, dann geh los! Danach wird er dich nicht mehr loslassen.
Was bedeutet „spirituelle Erfahrung“ auf dem Jakobsweg?
Spirituelle Erfahrungen auf dem Jakobsweg können ganz unterschiedlich sein. Manche spüren tiefe Ruhe in der Natur, andere erleben plötzliche Klarheit oder Inspiration. Es geht darum, sich selbst zu begegnen, loszulassen und offen zu sein für alles, was der Weg bietet.
Nach mehrmaligem Pilgern hört man oft:
„Der Weg gibt dir nicht das, was du willst, sondern das, was du in diesem Lebensabschnitt brauchst.“
„The Camino provides.“
Denn unabhängig davon, was du brauchst – der Weg lässt dich nicht leer ausgehen. Mit Vertrauen werden, wie durch magische Hand, Prozesse angestoßen – auch wenn es zunächst nicht so scheint.
• Lies mehr wie man auf dem Jakobsweg spirituelle Erfahrungen machen kann und die Zeichen, die dir unterwegs begegnen können:
Wie du spirituelle Erfahrungen auf dem Jakobsweg machen kannst oder WU WEI (無為) – The Flow of life auf dem Jakobsweg
Vorbereitung – Körperlich & Spirituell
Körperlich
Der Jakobsweg ist kein gewöhnlicher Wanderweg. Er fordert dich heraus – körperlich, praktisch und innerlich. Aber wie viel Vorbereitung ist wirklich nötig? Müssen es Monate an Training sein – oder reicht es, einfach loszugehen?
Aus unserer eigenen Erfahrung können wir dir sagen: Wenn du halbwegs fit bist und gerne gehst, brauchst du dich nicht groß vorzubereiten. Der Weg selbst wird dich Schritt für Schritt trainieren.
Leichtes Gepäck
Unsere goldene Regel: Trage nicht mehr als 10 % deines Körpergewichts. Das hat sich auf unseren Caminos immer wieder als die beste Entscheidung herausgestellt. Auf späteren Wegen haben wir oft zu viel eingepackt und schnell gemerkt, wie schwer unnötiger Ballast sein kann.
Am Ende zählt nicht, wie perfekt deine Ausrüstung ist, sondern wie leicht und unbeschwert du unterwegs bist. Auf dem Jakobsweg gilt: Weniger ist mehr. Eine einfache Faustregel besagt: Nur etwa 10 % deines Körpergewichts mitzunehmen. Wer 60 kg wiegt, kommt also mit rund 6 kg Gepäck wunderbar aus.
Am Anfang neigt man leicht dazu zu denken: „Ich nehme lieber alles mit – man weiß ja nie…“ Doch fast jeder Pilger merkt irgendwann, wie befreiend es ist, sich von unnötigem Ballast zu lösen. Unterwegs trifft man viele, die ihr Gepäck aussortieren mussten – und dabei oft erleichtert und glücklicher weitergingen.
Training – ja oder nein?
Bei diesem Thema streiten sich die Geister. Natürlich triffst du unterwegs auch Pilger, die abbrechen müssen – oft wegen Überlastung oder fehlender Fitness. Aber wir sind überzeugt: Der Schlüssel liegt weniger in deinem Fitnesslevel, sondern im Gewicht, das du trägst. Du musst kein Leistungssportler sein, um den Camino zu gehen. Außerdem zwingt dich keiner schneller zu gehen als du kannst oder mehr zu gehen als du willst. Eher im Gegenteil- Oftmals solltest du den Camino wie eine Schnecke gehen, damit du ihn wirklich erleben kannst.
Wenn du möchtest, kannst du vorab einmal 20–25 km am Stück gehen. Das kann dir Sicherheit geben. Aber der Jakobsweg ist einzigartig – er ist nicht mit einer normalen Wanderung vergleichbar. Am wichtigsten ist, auf seinen Körper und seine Bedürfnisse zu hören. Der Camino wird dich viele Dinge lehren, und das ist eine dringliche Lehre davon.
Schuhe & Blasen vermeiden
Ein Tipp, den wir dir wirklich ans Herz legen: Teste deine Schuhe vorher. Ob Wanderschuhe oder Trail‑Running‑Schuhe – das ist Geschmackssache. Hauptsache, du fühlst dich wohl und hast genug Dämpfung und Profil.
Blasen gehören zu den häufigsten Problemen auf dem Jakobsweg. Manche Pilger haben damit kaum Schwierigkeiten, andere schon nach wenigen Tagen. Deshalb lohnt es sich, Schuhe einzulaufen und passende Socken mitzunehmen.
Spirituell
Unterwegs kommt es nicht nur auf körperliche Fitness an. Der Camino lädt ein, bewusst zu gehen, den Moment wahrzunehmen und sich selbst zu reflektieren. Plane Pausen für Meditation, Tagebuch oder stille Momente ein – das fördert deine spirituelle Erfahrung auf dem Jakobsweg.
Unterwegs – Wie du offen bleibst für spirituelle Erfahrungen
Dein Tempo zählt: Mach Pausen, wenn du sie brauchst. Hör auf deinen Körper. Der Weg ist kein Wettkampf.
Gemeinschaft erleben: Plane auch Zeit für Begegnungen ein. Ein gemeinsames Abendessen in der Herberge oder Frühstück mit anderen Pilgern – oft die wertvollsten Momente.
Weniger planen, mehr vertrauen
Der Jakobsweg bereitet dich selbst vor – Schritt für Schritt. Wichtig ist nicht, dass du toptrainiert startest. Wichtig ist, dass du offen bist für den Weg, auf dich selbst hörst und dein eigenes Tempo findest. Pack leicht, bleib achtsam und genieße die Begegnungen. Denn am Ende zählt nicht die Anzahl deiner Kilometer, sondern das, was du unterwegs erlebst.
Falls du dazu spirituelle Inspiration suchst kannst du dir gerne den Artikel über den Flow-Zustand (Wu Wei) durchlesen.
Unsere 6 besten Tipps für den Start auf deinem Jakobsweg
Die richtigen Schuhe: Viele Pilger wechseln nach ein paar Tagen auf Trail‑Running‑Schuhe. Nimm das, worin du dich am besten fühlst – mit guter Dämpfung und Profil.
Gewicht des Backpacks: Nimm nur 10 % deines eigenen Körpergewichts mit.
Tempo & Pausen: Geh in deinem Rhythmus. Wechsle Socken, wenn die Füße schwitzen. Pflaster frühzeitig einsetzen, bevor Blasen größer werden.
Sockenwahl: Wandersocken reichen völlig – wir empfehlen die von Decathlon. Merino ist schön, aber kein Muss.
Blasenhilfe: Wenn Blasen doch auftreten: Compeed ist Gold wert. Da lohnt es sich nicht zu sparen.
Gemeinschaft erleben: Plane auch Zeit für Begegnungen ein. Ein gemeinsames Abendessen in der Herberge, Frühstück mit anderen Pilgern – das sind oft die Momente, die in Erinnerung bleiben.
Jakobsweg – Was ist der Weg und warum gehen wir ihn?
Aktuelle Beliebtheit & Herkunft
Der Jakobsweg wurde in Deutschland vor allem durch Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ und weltweit durch den Hollywood-Film „Dein Weg“ (Originaltitel: „The Way“ mit Martin Sheen) bekannt.
Doch längst ist der Weg kein Geheimtipp mehr. Weltweit wächst seine Anziehungskraft – jedes Jahr brechen tausende Pilgerinnen und Pilger auf, um sich auf den Pfad nach Santiago de Compostela zu begeben.
Die Zahl derer, die am Ziel das Compostela-Zertifikat erhalten, stieg von rund 145.000 im Jahr 2009 auf 499.239 im Jahr 2024. Zuletzt zählt das Pilgerbüro bis Oktober 2024 519.449 Pilger. Und das sind nur jene, die ihren Weg offiziell registrieren lassen. Auf dem Jakobsweg begegnet man Menschen aus allen Teilen der Welt – aus Australien, Korea, Japan, den USA, und natürlich aus ganz Europa. Warum ist der Jakobsweg eigentlich so beliebt? Ursprünglich war er ein reiner religiöser Pilgerweg- Der Weg führt nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens – dem Ort, an dem der Legende nach die Gebeine des Heiligen Jakobus, eines der zwölf Apostel Jesu, ruhen.
Hier findest du einen spannenden Artikel über die steigenden Pilgerzahlen und die Auswirkungen des zunehmenden „Pilger-Tourismus“: Jakobsweg bricht Rekordmarke.
Aber auch eine Evaluierung warum es sich trotzdem lohnt den Camino frances trotz Überfüllung zu gehen.
Die spirituelle Geschichte und Herkunft des Jakobswegs
Nach der Überlieferung war Jakobus, einer der zwölf Apostel Jesu, in Jerusalem aktiv und predigte dort. Um das Jahr 44 n. Chr. wurde er hingerichtet. Die Legende erzählt, dass seine Jünger seinen Leichnam auf wundersame Weise in einem Boot ohne Segel und ohne Ruder legten. Ein göttliches Licht soll sie über das Meer geführt haben – getragen von Engeln – bis an die Küste Galiciens, nach Nordwestspanien. Jahrhunderte später, um das Jahr 813, entdeckte ein Hirte namens Pelayo leuchtende oder funkelnde Lichter, wie Sterne, die auf einen bestimmten Ort niederzugehen schienen.
Der Bischof nahm Pelayos Bericht ernst und begab sich mit einigen Geistlichen an den Ort. Als sie dort gruben, entdeckten sie einen steinernen Sarkophag mit drei Körpern, die laut ihrer Auslegung den Apostel Jakobus den Älteren und seine beiden Schüler Athanasius und Theodor enthielten.
Als der Fund bekannt wurde, ließ König Alfons II. der Keusche den Ort untersuchen und bestätigte kirchlich den Fund.
Er reiste persönlich dorthin – und gilt damit als erster Pilger auf dem Jakobsweg.
Er ließ eine erste Kapelle über dem Grab errichten, die später zur Basilika und dann zur Kathedrale von Santiago de Compostela ausgebaut wurde.
Spirituelle Bedeutung und Motive, den Jakobsweg zu gehen
Heutzutage gibt es unterschiedlichste Beweggründe, den Camino zu gehen – aus religiöser Überzeugung, aus spirituellen Motiven, aber auch Sportler und Naturliebhaber begeben sich auf den Weg.
Aus eigener Erfahrung würden wir dennoch sagen, dass der Jakobsweg eine Heilreise ist – der Weg zu sich selbst und zur inneren Wahrheit.
Ich muss nicht wissen, warum ich gehe; viel wichtiger ist, loszugehen und den ersten Schritt zu machen. Wir spüren, dass es die richtige Entscheidung ist.
Neben den unzähligen spirituellen Angeboten finden wir uns nicht immer sofort zurecht. Was ist das Richtige für mich?
Der Camino de Santiago ist eine der vielen Reisen zu sich selbst – Zeit für Reflexion, Loslassen, Konversationen mit Fremden, die oft zu Freunden werden.
Resistenzen, die sich lösen, und Spiegel seiner selbst tauchen auf.
Es ist eine lange Meditation, auch wenn einem das beim Losgehen nicht unbedingt bewusst ist. Ich werde mir selbst gewahr.
Die Verbindung zur äußeren Welt, zur Natur, nimmt zu – gleichzeitig wächst auch die innere Verankerung.
Auch alte Gefühle können aufbrechen und verarbeitet werden: Verluste, verstorbene Menschen, Emotionen, die lange nicht ausgelebt wurden und im Inneren schlummern.
Auf dem Jakobsweg findet alles seinen Platz.
∞ Alles, was du brauchst, kommt zu dir.
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Wow! Sehr interessanter Artikel über den Jakobsweg!